Mail vom 30.07.2020, 11:20 Uhr:

erst einmal großen Dank für die Arbeit, die Sie leisten! ich verfolge Ihre Sitzungen nun schon von Anfang an und als Fachdozent im Gesundheitswesen kann ich so vieles einfach nur bestätigen. Ich bin aber auch Vater von 3 Kindern und möchte mich deshalb in dieser Mail diesem Thema widmen. Ich bin mir sicher, viele Informationen haben Sie bereits erhalten, möchte aber dennoch unsere Erfahrungen mit der ganzen Situation teilen. Hierbei möchte ich auf 4 Beispiele im folgenden eingehen und fange erst einmal mit dem kürzesten an.

 

Zuerst möchte ich daher unsere aktuellen Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis von zwei schwangeren Elternpaaren teilen. Dies hat vielleicht nur indirekt mit den Kindern zu tun, kann aber prägend für deren Einstieg ins Leben sein. Für mich ein absolutes Novum ist der Vorgang vieler Kliniken momentan gerade den werdenden Vater aus dem Vorgang möglichst weit auszuschließen. So ist es bei unserem Pärchen A dem Vater in der Klinik erst gestattet gewesen vorbei zu schauen, sobald die Geburt im vollen Gange ist und später durfte er seine Frau und sein Kind nur für eine Stunde am Tag sehen, bis diese die Klinik verlassen. Bei Pärchen B. durfte der Vater sogar erst gar nicht bei der Geburt dabei sein, da die Richtlinien der Klinik für alle Patienten erst einen Besuch ab den 4. Tag des Aufenthaltes und dann nur in beschränkten Zeitfenster für eine Stunde vorsahen.

 

Wie erlebten die Frauen nun den Aufenthalt in den beiden Kliniken?

Beide mussten während des Aufenthalts permanent Mundschutztragen. Erst als die Geburt in vollen Gange war, schaffte es eine der beiden, da sie selbst Oberärztin ist, den Mundschutz abzulegen und zwar so, dass dies auch von den anwesenden Personal akzeptiert wurde. Sie selbst erlebte die Zeit aus reinsten Horror und sie und ihr Mann haben viel geweint, da sie sich eine andere Form der Geburt gewünscht hätten. Die Mutter von Pärchen B musste den Mundschutz ebenso permanent tragen. Wegen dem Horror der Situation stellte sich bei ihr allerdings erst gar nicht der Körper auf die Geburt ein, so dass ihr Kind dann per Kaiserschnitt geholt wurde. Dies wollte sie eigentlich nicht, ihr wurde aber viel Druck seitens des Personals gemacht und auch sie wollte nur so schnell wie möglich wieder raus.

 

Für beide Paare war die Geburt ihres Kindes ein traumatisches Erlebnis, was so ganz im Gegensatz dazu steht, dass es eigentlich ein freudiges Erlebnis hätte sein sollen. So richtig ergab sich auch der Sinn nicht, weshalb die Männer, die ja sonst mit den Frauen zusammenlebten so ausgeschlossen wurden. Es erscheint ja total unsinnig davon auszugehen, dass sie ein größeres Gefährdungspotential als ihre Frauen hätten.

 

Kommen wir damit zum zweiten Beispiel:

 

Ich habe wie gesagt drei Kinder. Unsere jüngste ist 2,5 Jahre alt und besucht die Kita, unsere Mittlere ist 9 Jahre alt und hat nun die Grundschule beendet. Unser ältester ist 12 Jahre und besucht die Realschule. Am Freitag in der vorletzten Schulwoche, wurde bei unserer mittleren Tochter in der Klasse ein Mädchen positiv auf Corona getestet. Was danach passierte, kann man fast nur noch als schlechten Witz beschreiben, wenn es nicht so traurig wäre. Sofort mussten alle anderen Kinder der Klasse, sowie alle Lehrkräfte für 14 Tage in Quarantäne. Während der gesamten Zeit zeigte niemand von den Kindern oder Lehrkräften Symptome und auch das positiv getestete Mädchen nicht. Wir bekamen vom Gesundheitsamt ein Schreiben, dass ich im Anhang beifüge. Unsere mittlere Tochter musste als 14 Tage komplett im Haus bleiben, obwohl sie keine Symptome hatte. Sie durfte das Haus nur verlassen, um zur ca. 20 Kilometer entfernten Teststation zu fahren, dort dann mit anderen Menschen zu warten, um per Rachenabstrich getestet zu werden. Diese Tests wurden zwei mal durchgeführt, beide male negativ. Jedoch bedeutete negativ nicht das Ende der Quarantäne, diese musste komplett durchgezogen werden. 2 mal täglich waren wir gezwungen Temperatur zu messen und diese Online zu übermitteln, dabei wurde uns gleich schon mit Sanktionen gedroht, sollten wir dies einmal vergessen und ebenso würden wir sanktioniert werden, wenn wir eventuelle Symptome unserer Tochter, wie Husten, Schnupfen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, nicht umgehend melden würden. Hierzu kamen noch die Quarantäneempfehlungen, die ebenfalls mit beigefügt sind. Diese wiesen uns an unsere 9 jährige Tochter während der gesamten Zeit möglichst auch von der restlichen Familie zu isolieren und sie von allen Familienaktivitäten, wie auch Essen, oder gemeinsames Spielen auszuschließen. Da frage ich mich echt, welche Eltern machen so was mit ihren Kindern?! Selbst wenn meine Tochter krank gewesen wäre, hätte ich sie doch nie alleine in ihrem Zimmer isoliert gelassen! Wer macht so was als Eltern?!

Für unsere anderen beiden Kinder bedeute es aber auch, dass sie zwar nicht in Quarantäne waren, sich auch weiterhin privat mit Freunden treffen konnten, aber für die Zeit der Quarantäne ihrer Schwester auch nicht Kita und Schule besuchen durften. Dafür spielte es ebenso keine Rolle, das ihre Schwester kerngesund war und bei beiden Tests ein negatives Ergebnis erhalten hatten. Dies hatte zur Folge, dass auch meine Frau zuhause bleiben musste und sich mit dem Regierungspräsidium in Verbindung setzen musste, damit ihr Arbeitgeber den Ausfall bezahlt bekommt. Für unsere Jüngste bedeutete das wieder 14 Tage ohne Kindergarten, nachdem sie gerade erst wieder angekommen war. Für unseren Ältesten änderte sich dagegen nicht viel, außer dass er seine Freunde an dem einen Tag Schule vor den Ferien nicht mehr sehen konnte. Wir Eltern erhielten dagegen keine Quarantäne und durften weiterhin arbeiten gehen, bis auf meine Frau, die sich wörtlich laut Telefonauskunft nun um die Kinder kümmern müsse, da ich mehr verdiene.

 

Als Fachdozent in der Pflege habe ich bereits Ende März Kontakt mit den unsäglichen Maßnahmen bekommen. Ein Schüler von mir war positiv getestet worden und durfte dann 14 Tage mit seiner Frau und ihrem 3 Monate alten Säugling in Quarantäne zuhause bleiben. Ihnen allen ging es während der Zeit gut. Er selbst bemerkte nur damals schon, dass der Virus ja nicht so gefährlich sein kann, wenn er weiterhin zu seiner Frau und einem Säugling Kontakt haben dürfe. Ein weiterer kurzer Fall drehte sich um eine alleinerziehende Schülerin mit zwei Kindern (4-7) Jahre alt. Diese hatte letztes Jahr schon eine Mutter-Kind-Kur beantragt. Diese war dieses Jahr nun auch genehmigt worden, allerdings hätte sie nur ihre ältere Tochter mitnehmen dürfen, da ein Maskenzwang vor Ort herrsche. Wie sie ihren jüngeren Sohn betreuen sollte, darauf hatte die Krankenkasse auch keine Antwort. Ganz im Gegenteil sie drohten damit das ihr Anspruch verfallen würde, wenn sie die Kur nicht wahrnimmt. In Ihrer Not wand sie sich an mich und nach einem Telefonat mit deutlichen Worten konnte ich dann noch was erreichen.

 

Ich hoffe die Beispiele sind interessant für Sie und bedanke mich sehr für Ihre Arbeit! Ich könnte noch so vieles anderes berichten, aber möchte das hiermit so stehen lassen. Momentan bin ich ziemlich enttäuscht von dem was hier läuft und wir überlegen ernsthaft zum Wohle unser Kinder Deutschland Richtung Schweden, wo ich Bekannte habe, zu verlassen, wenn sich hier nichts ändert.

 

Vielen Dank für alles und ich bin von ganzem Herzen bei Ihrer Arbeit!

 

Mit freundlichem Gruß