Mail vom 31.07.2020, 13:47 Uhr:  Guten Tag sehr geehrte Damen und Herren, mein Name ist I. und ich danke Ihnen vom Herzen für Ihre Arbeit, die ich mit Begeisterung unterstütze. Die Erfahrungen, stammen von meinen Arbeitskolleginnen und Kollegen aus erster Hand. Wir sind befreundet. Denn bis jetzt hatte ich Glück und musste nicht fliegen. Ich bin Flugbegleiterin bei der deutschen Lufthansa seit 2006.

Es herrscht bei LH (nicht nur da) eine Maskenpflicht für jeden Passagier ab dem sechsten Lebensjahr so wie auch für Flugbegleiter und Cockpit. Schon im Briefingsraum (Besprechung vor dem Flug) müssen alle eine Maske anhaben. Man kennt sich nicht, die Crews werden immer neu zusammengestellt und somit sind es fremde Kolleginnen und Kollegen. Früher hat sich jeder mit dem Handschlag vorgestellt, heute kommt man rein uns setzt sich hin. Nach dem Briefing passiert man die Sicherheitskontrolle bei uns auf der Basis mit Maske. Dann steigt man in ein Crewbus, der uns zum Flieger fährt mit Maske. Boarding mit Maske, die Arbeit mit Maske ganz egal ob von FRA nach München oder nach Los Angeles oder nach China.

Nach der Landung dauert das Austeigeverfahren sehr lange, je nach dem Ziel. Natürlich immer noch mit Maske. Weiter am Flughafen herrscht Maskenpflicht. Im Crewbus auf dem Weg zum Hotel, je nachdem wie dein Capitan und Purser (Kabinenchef) drauf ist oder welches Land… meistens mit Maske. Im Hotel beim einchecken immer noch mit Maske aber schon bald hat man es geschafft und ist auf dem Zimmer. Ja war doch gar nicht so lange. Zumutung ist eine Untertreibung. Das ist eine körperliche und seelische Vergewaltigung.

In mehreren Ländern dürfen wir entweder das Hotel und/oder das Zimmer nicht verlassen. Erst bei Abholung zum Rückflug.

Das Video von Lufthansa Youtube Kanal macht mich wirklich wütend. Ich verstehe, dass Ideen her müssen, um die Reisenden zu locken aber um Gottes Willen bleiben wir doch mal authentisch… https://youtu.be/OL1C5jPKKaE

Die Kollegin fühlt sich wohl und sicher mit der Maske? Wohl kaum. Es sei denn sie leidet an einer Angstpsychose was den Virus betrifft. Dürfte sie dann aber fliegen? Denn: privates ängstliches Verhalten vor allem von Chefs, die uns von ihren Ängsten beeinflusste Anweisungen geben, dürfte nicht sein.

Was aber im Moment passiert. Ein Kapitän wollte vom Kabinenchef, dass er die Ansagen maskiert macht und drohte, dass er das kontrollieren wird. Eine Kabinenchefin verlangte, dass ein Passagier seine Maske wieder aufsetzt obwohl er noch Getränke auf seinem Tisch hatte. Aber auch Flugbegleiter mischen sich ein, wenn du einen Passagier mit runter gelassener Maske reden lässt (denn Kommunikation darf nicht ohne Maske stattfinden) oder sie springen 2 Meter zurück, sollte einer die Maske runterziehen für bessere Kommunikation. Ein Flugbegleiter (von dem man weiß, ganz sicher es sind mehrere) hat das Bluetooth auf seinem Handy angelassen, damit seine Corona-App während des Fluges funktioniert. Ein Capitan sagte nur ein paar Stunden vorher den Rückflug von San Paulo nach Frankfurt ab weil er das Gefühl hatte Corona zu haben. Welche Kosten! Denn der Flug konnte erst am nächsten Tag statt finden mit einem negativen Test vom Capitan.

Flugbegleiter laufen freiwillig die Gänge im Flieger hoch und runter, um zu kontrollieren ob die Masken von Passagieren richtig sitzen. Auf den Flügen nach China müssen wir den Passagieren alle mehrmals das Fieber messen weil das die Einreisebedingung ist. Genauso wie ein COVID19-Test für Flugbegleiter 1 Tag vor dem Abflug in FRA und ein weiterer Test nach der Ankunft in China. Das fühlt sich alles bedrohlich an.

Ich habe große Sorgen, dass ein Paar Maßnahmen vor allem die Maskenpflicht in meinem Job die neue Normalität wird, denn viele sehen es kommen. Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und unreine Haut sind die Erfahrungen bis jetzt. Ich bin ganz sicher, dass die Psyche noch kommt wenn nicht schon jetzt.

Ich habe vor ca 17 Jahren etwas sehr schlimmes erlebt. Die Maskenpflicht hat alles wieder hoch gebracht. Es ist für mich unvorstellbar mit einer Maske zu arbeiten. In den Geschäften benutze ich einen leichten Schal oder gar nichts. Ich habe mich jetzt entschlossen für die Arbeit einen Attest zu holen. Ich weiß nicht ob ich LH verklagen kann bezüglich Maskenpflicht aber evtl brauche ich einen Anwalt, sollte LH mir wegen meines Attests mit einer Kündigung drohen. Im Moment haben alle Angst um ihre Arbeitsstelle. Die Kündigungen werden nämlich kommen. Die Firma schreibt noch den Sozialplan.

Sollten Sie mehr über die Maßnahmen und Erfahrungen in der Fliegerei in heutiger Zeit wissen wollen, meine Freunde bzw Kollegen und Kolleginnen, die schon Flüge hatten, stehen Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen