Mail vom 29.07.2020, 15:06 Uhr:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vorab vielen Dank für Ihre großartige und mutige Arbeit in diesen aufwühlenden Zeiten. Als Akademikerin sehe ich die ethisch-demokratischen Werte unserer Gesellschaft in Gefahr und frage mich, wie das Leid, welches durch die Maßnahmen verursacht und jahrzehntelange Auswirkungen haben wird, einfach so hingenommen wird. Im Besonderen bedrückt mich das Schicksal der Kinder.

Ich bin Grundschullehrererin und Mutter eines sechsjährigen Sohnes, dessen Einschulung nun bevorsteht. Die letzten Monate waren für mich extrem belastend. Mein Sohn besuchte die Notbetreuung des Kindergartens und kam regelmäßig mit dem Virusthema nach Hause. Wir selbst haben keinen Fernseher und hören kein Radio mehr, dennoch war das Thema Krankheit und Tod omnipräsent.

Die Eltern haben seit März keinen Zutritt mehr in die Einrichtung, die Kinder werden am Eingang abgegeben, es herrscht Maskenpflicht für die Erwachsenen. Die Außenbereiche sind mit Absperrband unterteilt, damit die Kinder der verschiedenen Gruppen nicht miteinander spielen. Eine Erzieherin berichtete, dass einzelne Kinder so verängstigt und in Sorge vor einer Ansteckung sind, dass sie keine Nähe mehr zulassen und in Weinanfälle verfallen. Hier sehe ich alle Pädagogen in der Pflicht, sich ernsthaft und kritisch mit der realen Gefahr des Virus zu beschäftigen und somit unseren Kinder diese Ängste zu nehmen, um sie zu selbstbewussten, empathischen und moralisch aufgeklärten Individuen zu erziehen.

Leider sehe ich mich mit dieser Meinung im Lehrerkollegium fast alleine. Meine Kollegen vermitteln den Kindern, sie seien gefährliche und kranke Virusschleudern und nähern sich ihnen nur mit Maske. Auch die Kinder müssen beim Kontakt mit der Lehrkraft eine Maske aufsetzen, sonst erhalten sie keine Unterstützung bei den Aufgaben. Einige Kinder haben große Probleme Gefühle zu erkennen, was mit dem Verlust der Mimik durch die Maske unmöglich ist. Berührungen untereinander sind untersagt, was auch das Spiel der Kinder betrifft. Viele spielen auch auf dem Pausenhof mit Maske. Das Schlimmste ist jedoch, dass viele Kinder während des Lockdowns zuhause eingesperrt wurden, ohne Frischluft, freies Spiel und soziale Kontakte. Diese Kinder stehen nun völlig neben sich und erkennen die Welt nicht mehr, in der sie sich wiederfinden. Plötzlich ergibt sich nicht nur fachlicher Förderbedarf, die soziale Isolation führt auch dazu, dass die Kinder nicht mehr selbstständig arbeiten können und mit dem Sozialgefüge der Klassengemeinschaft völlig überfordert sind. Die vollen Auswirkungen der Schulschließung und der Maßnahmen für unsere Kinder werden sich wohl erst nach den Sommerferien zeigen.

Was ich mich wirklich frage: Es gibt nun so viele Studien, die besagen, dass Kinder quasi nichts mit dem Infektionsgeschehen zu tun haben, warum müssen sie Masken tragen? Es gibt doch keinen einzigen Fall, dass ein Kind eine andere Person infiziert hätte? Ebensowenig auffällige oder schwere Infektionen bei Kindern. Warum wird ihnen das Recht auf Bildung verwehrt und Schulen wie Kitas betreiben weiterhin übertriebene Hygienekonzepte oder gar weitere Schulschließungen im Herbst?

Kinder sind unsere Zukunft, sie haben Rechte. Sie sind systemrelevant und verdienen es so behandelt zu werden. Wenn wir jetzt nichts tun, machen wir uns mitschuldig an einer Generation, die verängstigt, unsozial, willenlos und unreflektiert durch das Leben gehen wird.