(Psychologische Auswirkungen für Kinder durch die Mund-Nase-Bedeckung)

Mail vom 30.07.2020, 10:48 Uhr:

ich bin so frei und schreibe Ihnen, obwohl Sie sicherlich bereits überflutet werden von Emails bzgl. der Lage unserer Kinder.

Zu mir:

Als Eltern-Motivatorin und Coach helfe ich Mamas und Papas ihr Kind besser zu verstehen und dieses Verständnis im Alltag auch umzusetzen. Meine Basis hierfür ergibt sich maßgeblich aus den elementaren Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie und der Gehirnforschung.

Im Vordergrund steht immer die Beziehung des Kindes zum Erwachsenen – und für diese trägt immer der Erwachsene die Verantwortung.

Ich arbeite also mit den Eltern für das Kind.

In den letzten Wochen konnte ich unter diesem Aspekt für mich erschütternde Beobachtung machen:

– Immer weniger Kinder schauen mich oder andere Erwachsene noch an.

– Blickkontakt wird vermieden oder wird umgehend unterbrochen.

– Spielgeräte auf dem Spielplatz wollen nicht mehr angefasst werden, denn dann könnte man krank werden.

– „Die Mund-Nasen-Bedeckung muss dringends getragen werden, da sonst andere Menschen sterben“. (Aussagen von Kindern).

– Kinder werden zunehmend aggressiver

– Der Konsum von digitalen Medien (Zocken, Chatten, Videos, etc), also die digitale Ablenkung nimmt zu

Unsere Tochter hatte ebenfalls Ängste, sie könnte ihre Omas krank machen. Diese Worte oder diese Formulierungen wurden von meinem Mann und mir niemals benutzt. Vermutlich wurde dies von anderen Kindern erzählt, ob „im Spass“ oder bewußt, das weiß ich nicht.

 

Unsere Tochter brach im Supermarkt weinend zusammen, weil sie nicht mehr wusste, wo sie lang gehen sollte ohne „Jemanden zu gefährden“. Ausserdem gingen ihr eh alle aus dem Weg – sie hatte dadurch das Gefühl, als würden die anderen Menschen Angst vor ihr haben (zu dem Zeitpunkt waren die Äußerungen über die angebliche Gefahr, die von Kindern ausgeht bereits einige Zeit her, doch sie waren immer noch präsent. Nicht nur für unsere Tochter!). Mittlerweile hat sie sich „arrangiert“. Diese Entwicklung besorgt mich ebenfalls, doch ich gehe darauf weiter unten ein.

Hierzu eine kurze Erklärung, auch wenn die Erläuterungen eigentlich mehr Raum bräuchten:

Wir Menschen in unserer Gesellschaft und unserer westlichen Kultur nehmen immer nach dem selben Ablauf Kontakt miteinander auf. Und zwar

  1. über Augenkontakt
  2. mit einem Lächeln
  3. mit einem Nicken (als Zustimmung), kann auch nur angedeutet werden

(In Kulturen, in denen der Augenkontakt als zu „verletzlich“ erachtet wird, erfolgt der Kontakt stattdessen über die Ohren).

Punkte 1-3 gehen förmlich ineinander über, manchmal sind sie allerdings auch sehr deutlich zu erkennen. Sie sind jedoch zwingend notwendig, damit überhaupt eine Bindung/eine Beziehung aufgebaut werden kann. Bindung/Beziehung bedeutet hierbei nicht, näheren Kontakt, sonder tatsächlich „die erste Annäherung“. Bei Erwachsenen untereinander würde nach dem Nicken der sog. Smalltalk beginnen oder fortgesetzt werden. Bis man sich auch über relevante Themen unterhält und seine persönliche Meinung äußern möchte oder kann oder man überhaupt Nähe zulässt.

Dies ist völlig unabhängig davon, ob es sich um das Betreten eines Geschäftes handelt oder um ein Vorstellungsgespräch, eine neue Bekanntschaft, Vorstellung unter Freunden, etc.

Die Abfolge Augenkontakt-Lächeln-Nicken ist unabdingbar.

Wir benötigen sozusagen die „Einladung“ mit dem anderen Menschen in „Kontakt“ kommen zu dürfen. Dafür braucht es die oben genannte Grundlage (Punkte 1-3).

 

Dies ist umso wichtiger für ein Kind! Denn davon ausgehend, dass ein Kind von Natur aus den Kontakt zu seinen Eltern/Bezugspersonen sucht und die „Einladung“ benötigt, um sich binden zu können und entsprechend weisen lassen zu können, benötigt das Kind eben genau auch diese Möglichkeit, diese oben genannte Abfolge entwickeln/beobachten  zu können.

Doch mit der Abdeckung über Mund und Nase kann eben kein wirklicher Kontakt entstehen!

Vermutlich macht dies bis hierher noch nachvollziehbaren Sinn.

Nur was geschieht eigentlich langfristig?

Kurz gefasst:

Ein Kind benötigt für seine gesunde Emotionale Entwicklung (für ein gesundes Sozialverhalten!), das Gefühl von Sicherheit – und zwar in Bindungstechnischer Hinsicht. Ein Kind muss dringend mindestens eine stabile und sichere Beziehung zu einem verantwortungsvollen und fürsorglichen Erwachsenen haben, damit das Kind sich entspannen kann und sein/ihr Gehirn reifen kann. Tatsächlich reicht es aus, einmal in Kontakt zu kommen mit dem Erwachsenen (Bezugsperson im Kontext), doch die Bindung muss immer wieder, tagtäglich mehrfach aktiviert, intensiviert und auch gehalten werden. Erst dann kann ein Kind auch die Bereitschaft für „Anweisungen“ entwickeln (zu Hause von den Eltern, in der Kita von dem Betreuungspersonen, in der Schule von den LehrerInnen, usw.).

 

Mit der Mund-Nasen-Bedeckung beim Erwachsenen kann das Kind die „Kontaktaufnahme“ seitens des Erwachsenen nicht mehr einordnen. Es kann den Augenkontakt nicht deuten, geschweige denn, dass es ein Lächeln erkennen und einordnen kann. Und wie sollte dann die Zustimmung durch ein Nicken erfolgen?

 

Mit der Mund-Nasen-Bedeckung beim Kind, kann der Erwachsene die Mimik bei Kind nicht lesen-dies kann zu „übergriffigen Fehldeutungen“ führen. Denn der Erwachsene erkennt ja auch nicht, ob das Kind überhaupt schon „bereit“ ist für ein Lächeln. Und wenn dann das Nicken eben auch keinen Platz mehr finden kann, dann wird ohne den elementar wichtigen Bindungsaufbau, bzw., die grundsätzliche Kontaktaufnahme versucht dem Kind Weisungen zu geben. Und das Kind? Es handelt entweder gegen seinen natürlichen Instinkt, auf Grund von Angst und Furcht, und kann „gut und böse“ bei den Absichten von Erwachsenen nicht erkennen und die lebenswichtige Abwehr dagegen nicht entwickeln. Ein furchtbarer Gedanke!

Oder es versucht die Kontaktaufnahme grundsätzlich zu vermeiden und zieht sich immer mehr zurück.

 

Durch die andauernde angstschürende Unsicherheit, welche auch von den Eltern verbreitet wird, kann das Kind nicht mehr richtig entspannen. Die Mund-Nasen-Abdeckungen sind sozusagen eine Mahnung daran, wie gefährlich das Kind ist, wenn es diese Abdeckung nicht trägt!

Dies bedeutet, dass das Kind die sozialen Fähigkeiten (auf Empathie beruhend) nicht entwickeln kann! Es findet eine Blockade statt, die zu ernstzunehmenden Entwicklungsverzögerungen und gar Entwicklungsstörungen führen kann. Denn das Kind wird u.a. durch das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckungen, in einem andauernden Alarm (stressvollen Unsicherheitsgefühl) gehalten. Und in diesem Zustand des Alarms, kann keine emotionale Entspannung entstehen, die dafür sorgt, dass das Gehirn des Kindes reifen und sich emotional entwickeln kann. Somit sind Blockaden und Störungen vorprogrammiert.

Von den Angstzuständen und Phobien die sich daraus entwickeln können, werden Sie und Ihr Team sicherlich entsprechende Experten befragen.

Eine wirklich große Sorge habe ich noch: Die Kinder entwickeln dadurch viel schneller sogenannte „Gefühls-Blockaden“. Doch wir Menschen sind von Natur aus Bindungswesen, wollen uns also binden und in Kontakt miteinander sein und bleiben. Also suchen auch unsere Kinder nach wie vor nach Bindungen und Kontakt. Durch die sog. Masken entsteht ein entwicklungpsychologisch betrachteter kranker Zusammenhalt. Denn wenn ein Kind die Mund-Nasen-Bedeckung nicht trägt, dann wird es (bevorzugt von anderen Kindern/Gleichaltrigen) ausgeschlossen und vielleicht sogar angegriffen. Um dies zu vermeiden, werden also auch Kinder die Maske tragen wollen, um ja nicht ausgeschlossen zu werden oder andere Nachteile zu erleben. Diese zusätzliche Unsicherheit ist für die meisten Kinder unerträglich. Also handelt das Kind evtl.  wieder entgegen seinem/ihrem natürlichen Instinkt! Das Kind arrangiert sich also mit der Masse und fügt sich dem Druck. Und übergeht dabei seine eigenen Empfindungen, bis es sogar die Maßnahmen verteidigt (Stockholm-Syndrom?), damit es bloß nicht anders ist oder sich ständig wehren muss! Es will um jeden Preis dazugehören, damit es nicht noch mehr Unsicherheit erleben muss…

 

Wie sollen die Kinder also ein Gefühl für ihren natürlichen Instinkt entwickeln können?

Wie sollen Kinder ein gesundes soziales Verhalten entwickeln können? Denn erlernen kann ein Kind dies nicht-entgegen allen Versuchen verschiedener Einrichtungen und Programmen.

 

Ich mache mir große Sorgen, was langfristig auf unsere Gesellschaft, aber vor allem auf die Eltern zukommen wird… Diese Auswirkungen der getroffenen Maßnahmen seitens der Politik, die anfangs veröffentlichten Schuldzuweisungen bzgl der Ansteckungsgefahr von Kindern, sowie die zum Teil rigide geforderten Maßnahmen von den Lehrern für das neue Schuljahr entsetzen mich und machen mich fassungslos. Der Trend zum Mitlaufen/Mitmachen lässt sich leider auch schnell für andere Aktionen nutzen.

 

Unsere Kinder werden in meinen Augen „missbraucht“. Denn zufällig wird dies alles nicht erfolgen, dafür ist dieses Wissen um die Wichtigkeit der gesunden emotionalen Entwicklung der Kinder bereits zu bekannt.

Denn nur mit dieser emotional gesunden Entwicklung kann das Kind langfristig sein volles Potential entwickeln und zu einem verantwortungsvollen, fürsorglichen und eben reifen Erwachsenen werden. Eigenständig, Resilient und selbstbewusst.

Ist dies überhaupt noch gewollt?

Ist dies unter diesen Umständen überhaupt noch möglich?

Ich habe große Zweifel. Und erahne großen Schaden für unsere Kinder. Und eben auch für die Eltern, denn wie sollen Familien, egal in welcher Konstellation, dies alles begleiten und überstehen, wenn viele von ihnen nichts darüber wissen und die Unsicherheiten bei den Erwachsenen ständig weiter geschürt und vergrößert werden?

Ich bin sehr besorgt und hoffe sehr, dass ich mich irren werde!

Ich danke Ihnen Allen für Ihren Einsatz, für die Möglichkeit sich zu informieren und für das Mutmachen! Mir geben Sie durch Ihr Engagement so viel Hoffnung und Zuversicht – DANKE!

 

Mit herzlichen Grüßen

Bei weiteren Fragen zu diesem komplexen Ansatz stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung!